Presse: “Wichtig für die Zukunft unserer Kinder”

http://www.wochenblatt.de, 03.03.2010

Welche Bedeutung hat Bildung für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft? Inwiefern betrifft das uns alle? Darum geht es im neuen Buch „Bildung für nachhaltige Entwicklung” von Sabine Ponath. Die 25-jährige Vachendorferin schloss 2008 ihr Studium der Pädagogik, Psychologie und Soziologie erfolgreich ab. Derzeit arbeitet sie im Landtagsbüro von Grünen-Landeschef Sepp Daxenberger in München und bereitet daneben ihre Promotion zum Thema „Verankerung der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an bayerischen Volkshochschulen” vor.

Frau Ponath, Sie haben gerade das Buch „Bildung für nachhaltige Entwicklung” veröffentlicht. Um was geht es darin und an wen richtet es sich?
Sabine Ponath: Bildung für nachhaltige Entwicklung klingt sperrig, bedeutet im Prinzip zusammengefasst jedoch nichts anderes als die Frage: Was muss heute gelernt werden, damit wir unser Leben so leben können, dass es unseren Kindern und Enkelkindern und den Generationen danach mindestens genauso gut geht, wie uns heute? Demnach geht das Thema natürlich alle etwas an. Praktischen Nutzen hat es einerseits für Menschen, die im Bildungsbereich arbeiten - also zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer. Außerdem könnte das Praxisbeispiel des niederbayerischen Umweltzentrums “Haus am Strom” auch für kommunale Politikerinnen und Politiker von Interesse sein.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ihrer Meinung nach eine der größten und dringlichsten Herausforderungen für die Bildungspolitik. Welche Schulnote würden Sie der deutschen Bildungspolitik in diesem Zusammenhang geben?
Sabine Ponath: Das ist gar nicht so einfach, das in eine Note zu packen, da die Bemühungen durchaus da sind, die Methodik und die Inhalte zu verankern. Vor allem im Schulbereich tut sich schon etwas. Andererseits ist das Thema noch nicht in der Breite angekommen und vor allem im nonformalen Bildungsbereich, also etwa in der Erwachsenenbildung noch nicht wirklich praktische Grundlage. Insgesamt würde ich die Note “ausreichend” vergeben.

Wie kommt es eigentlich, dass Sie sich gerade mit diesem Thema so intensiv beschäftigen?
Sabine Ponath: Mir ist es wichtig, nicht nur nur auf das Hier und Heute zu schauen, sondern auch an die Generationen nach uns oder auch an andere Regionen der Welt zu denken. Das Konzept der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung bietet viele Möglichkeiten, die Gesellschaft zukunftsfähig zu machen. Bildung und Erziehung werden im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung zu einer Voraussetzung für Lebensqualität und in mancher Hinsicht auch für das Überleben an sich.


Sabines Ponaths aktuelles Buch beschäftigt sich mit Bildung für nachhaltige Entwicklung

Viele haben den Glauben an die Politik verloren. Wie könnte eine sinnvolle Bildungspolitik aussehen, damit die Herausforderungen der Zukunft zu meistern sind?
Sabine Ponath: Hauptziel der Bildungspolitik muss es sein, Gestaltungskompetenz zu vermitteln. Jeder einzelne soll dazu befähigt werden, seine Zukunft in die Hand zu nehmen und an der Gestaltung der Gesellschaft aktiv etwas beizutragen - und sei es nur dadurch, den eigenen Lebensstil mal kritisch zu überdenken. Es fängt schon im Kleinen an. Es nützt dabei natürlich nichts, nicht mehr an die Politik zu glauben. Das politische System der Demokratie bietet uns ja vielerlei Gestaltungmöglichkeiten und Entscheidungsfreiräume.

Wir befinden uns in der Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung” (2005 bis 2014). Das klingt sehr abstrakt. Bitte erklären Sie unseren Lesern kurz, was man sich darunter vorstellen muss.
Sabine Ponath: Die internationale Initiative will dazu beitragen, die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung weltweit in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Verantwortlich für die Durchführung ist die UNESCO. In Deutschland steht die UN-Dekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung” unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler. Ein Beispiel: Innerhalb dieser zehn Jahre werden Projekte und Kommunen für herausragendes Engagement im Bereich “Bildung für eine nachhaltige Entwicklung” ausgezeichnet. Die Auszeichnung trägt dazu bei, die Anliegen der Dekade flächendeckend in Deutschland sichtbar zu machen. Infos dazu findet man auf der Homepage der Dekade: www.bne-portal.de

Ist Bildung für nachhaltige Entwicklung eigentlich einzig die Sache von Wissenschaftlern und Politikern, von nationalen und internationalen Aktionsplänen, Konzepten und Projekten?
Sabine Ponath: Nein, ganz im Gegenteil. Das kann alles nur funktionieren, wenn alle Menschen bereit sind, an der Gestaltung unserer Zukunft mit zu arbeiten. Das klingt so dramatisch, dabei reichen schon ganz kleine Schritte. “Nach mir die Sintflut” ist einfach nicht tragbar - vielmehr sollten wir alle überlegen, in welcher Welt unsere Kinder und Kindeskinder aufwachsen sollen. Trotzdem ist es natürlich auch Aufgabe des Staates, die entsprechenden Schritte im Bildungssystem einzuleiten, denn beispielsweise über die Schule kann wirklich ein Großteil der Gesellschaft angesprochen und erreicht werden. Es muss ganz allgemein, aber insbesondere sowohl von politischen Entscheidungsträgern aber auch in der pädagogischen Forschung und Praxis erkannt werden, dass die Inhalte und Methoden der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung auf allen Ebenen besser heute als morgen realisiert werden müssen.
Jürgen Unterhauser

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mittels * markiert.

*
*