
Von links nach rechts: Dieter Janecek, Gisela Sengl, Alexander Jäger, Christophe Levannier. (Foto: Matthias Leippe)
Grüner Aktionstag zum Thema Regionalwährung
(Traunstein / 18.05.2010) “Der Zeitpunkt für eine solche Veranstaltung hätte nicht besser sein können”, betonte Sepp Daxenberger. Angesichts der aktuellen Finanzmarktkrisen sei der Blick auf Lösungsmöglichkeiten und die regionalen Wirtschaftskreisläufe um so wichtiger: “Jede Krise ist auch eine Chance!” Daxenberger nahm in seinem Grußwort Bezug auf den Aktionstag des Grünen Kreisverbands Traunstein, bzw. die wirtschaftspolitische Rundreise des Grünen Landesvorsitzenden Dieter Janecek. Am 18. Mai machte Janecek Station in Traunstein, der Heimat der Regionalwährung Chiemgauer. Zusammen mit den beiden Kreissprecherinnen Helga Mandl und Sabine Ponath, der Vorsitzenden des Grünen Landesarbeitskreises Wirtschaft Beate Walter-Rosenheimer und der Grünen Stadt- und Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner traf sich Dieter Janecek zum Gespräch mit Christophe Levannier, dem Vorstandsmitglied des Vereins “Chiemgauer e.V.” und zugleich Leiter des Regionalbüros Traunstein. Mit dabei war auch Alexander Jäger, der das Geschäft “Frau Wolle” in Traunstein betreibt und den Umgang mit dem Chiemgauer aus Unternehmersicht erläuterte und die Handhabung praktisch darstellte.
Am Abend folgte eine Podiumsdiskussion im Sailer Keller, die auch die Kritikerinnen und Kritiker der Regionalwährung zu Wort kommen lassen sollte. Neben Christophe Levannier und Dieter Janecek sowie Alexander Jäger als Moderator der Runde saß auch Gisela Sengl aus Sondermoning auf dem Podium. Die Kritikerin des Chiemgauer betreibt einen Bioladen, in dem es ein großes Angebot an eigenen und regional hergestellten Produkten zu erwerben gibt. Für die Unternehmerin Gisela Sengl sei der Chiemgauer zu aufwendig, da der Betrieb ohnehin schon so viel Arbeit bedeutet. Außerdem sei regionales Wirtschaften und Konsumieren auch ohne eine extra dafür hergestellte Währung sehr einfach möglich.
Ein weiterer Befürworter des Chiemgauer auf dem Podium war hingegen Klaus Kopp, der einerseits im Vorstand des Vereins ist, andererseits das Regionalbüro Rosenheim und Wasserburg leitet. Im System der Regionalwährung sieht er eine Chance für ganz Europa. Es sei wichtig, die regionalen Profile und die Vielfalt wieder mehr zu stärken. Das bedeute aber nicht, dass man gegen die weltweite Vernetzung oder die Parallelwährung Euro sei. Es sei nur wichtig, ein Gegengewicht zur Globalisierung zu schaffen. Dem stimmte Christophe Levannier zu: “Geld ist doch viel zu sehr zu einem Tabuthema geworden, das von den Menschen weit weg ist.” Der Chiemgauer sei hingegen eine Währung zum Anfassen und Begreifen, ein Mittel um den Menschen die Wichtigkeit regionaler Wirtschaftskreisläufe bewusst zu machen. Durch die Regionalwährung entstehe bei den Menschen ein stärkeres gegenseitiges Verantwortungsgefühl. Besonderer Aspekt sei außerdem der so genannte Regionalbeitrag: Bei jedem Umtauschen von Euro in Chiemgauer fließen 3% als Spende an ein Wunschprojekt, zum Beispiel an Kindergärten oder Vereine - die das Geld dann oftmals wiederum regional investieren.
Auch der Grüne Landesvorsitzende Dieter Janecek fand lobende Worte für die Regionalwährung: “Ohne die Globalisierung verurteilen zu wollen, ist doch gerade in Krisenzeiten klar, dass eine Rückbesinnung auf die regionalen Kreisläufe stattfinden muss. Das gegenwärtige Geldsystem ist für viele Menschen nicht mehr greifbar. Stattdessen zeigt sich die virtuelle Macht der Finanzmärkte - und die ist weit weg von unserer Lebensrealität!” Der Chiemgauer zeige zahlreiche Lösungsmöglichkeiten auf, sei es im Hinblick auf den Klimawandel, die problematische Lage des Mittelstands und des Handwerks oder zur Stärkung wichtiger regionaler Wirtschaftskreisläufe. Außerdem zeigte sich Dieter Janecek beeindruckt von der Förderung des Ehrenamts und die Rückbesinnung auf sozialen Zusammenhalt: “Der Chiemgauer ist eine greifbare Vision für die Zukunft.”
Informationen darüber, wie der “Chiemgauer” funktioniert, wo man Euro in diese Währung umtauschen kann und welche Geschäfte und Unternehmen den “Chiemhauer” als Zahlungsmittel annehmen, findet man auf der Internetseite www.chiemgauer.eu.



