Leserbrief zum heute im Trostberger Tagblatt erschienenen Artikel “Ja und Nein zur Frauenquote”:
Seit etwa zehn Jahren gilt die so genannte “freiwillige Selbstverpflichtung” für Unternehmen, die dazu führen soll, dass mehr Frauen in Führungspositionen zu finden sind. Das Ergebnis ist ernüchternd. In den Vorständen der deutschen Unternehmen beträgt der Frauenanteil ganze zwei Prozent (Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung). Da zitiere ich doch gerne “Alphamädchen” Autorin Barbara Streidl:
“Die Quote ist das derzeit beste Instrument, um Frauen den Zugang für Führungs-Positionen zu ermöglichen. Durch sie werden Frauen motiviert, sich zu qualifizieren. Und Unternehmen werden motiviert, Frauen zu fördern. Dass unfähige Mitarbeiterinnen durch Quoten Top-Jobs bekommen, für die sie nicht geeignet sind, wie leider immer wieder gesagt wird, kann nicht passieren. Durch die Quotenregelung wird eine Bewerberin nur dann bevorzugt, wenn sie für eine Position gleich gut befähigt ist wie ein Bewerber. Nicht aber, wenn das einzige Einstellungskriterium ihr Geschlecht ist.”
Viele Frauen wollen Karriere machen, auch wenn sie Kinder haben. Sie sind gut ausgebildet und haben im Schnitt sogar die besseren Abschlüsse. 52,2 Prozent der Nachwuchsakademiker im Jahr 2008 waren weiblich, steht im Bildungsbericht des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung. Auch im Bereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften - der klassischen Startposition für eine Managementkarriere - stellen Frauen mit 53,2 Prozent den größten Teil. Dennoch stoßen sie im Berufsalltag an eine so genannte „gläserne Decke“, weil Vorurteile, überholte Rollenbilder oder eine fehlende Infrastruktur, zum Beispiel für Kinderbetreuung, bestehen. Es gibt also viele Gründe, warum so wenige Frauen in Führungspositionen zu finden sind. Manches liegt nur scheinbar an den Frauen selbst.
Natürlich “muss” keine Frau Karriere machen. Wenn sie dies jedoch möchte, sollte ihr der Weg in die Führungsetage nicht künstlich versperrt bleiben. Befragt, was sie als Managerinnen am Aufstieg hindert, nennen nach einer Studie der Uni Hamburg von 2010 immer noch 24 Prozent “Vorurteile gegenüber Frauen”. 16 Prozent der Frauen nannten an zweiter Stelle “Probleme mit Vorgesetzten” und erst auf Platz drei “Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere”.
In den Führungspositionen der Wirtschaft sind Frauen fast nicht vertreten. Daher ist es sinnvoll, sowohl die Rahmenbedingungen zu verändern als auch bessere Fördermaßnahmen für Frauen anzubieten. Freiwillige Regelungen bei Unternehmen haben bis jetzt nicht gegriffen. Deshalb wäre es mehr als legitim, wenn Deutschland jetzt endlich in Sachen Quote nachziehen würde.
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag Renate Künast hat heute im Plenum dazu gesprochen. Ihre Rede könnt ihr euch hier noch einmal anhören:
