Hassmusik in Übersee - Warum ist der „Sizzla“ Auftritt so umstritten?

Wir laden ein zur Veranstaltung im Gasthaus Feldwies in Übersee am Dienstag, den 17. August um 19:30 Uhr. Es wird vor allem darum gehen, warum es auch speziell für die Gemeinde Übersee von Interesse ist, Auftritte von Hassmusikern, wie etwa “Sizzla” auf dem Chiemsee Reggae Summer Festival zu verhindern. Als Referentin ist die Grüne Landtagsabgeordnete Claudia Stamm eingeladen. Claudia Stamm ist in der Fraktion fachlich für die Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben und Transgender zuständig.

Wir freuen uns erneut über zahlreiches Erscheinen und eine fruchtbare Diskussion!

Hier können Sie sich den Flyer mit weiteren Informationen herunterladen: Flyer Übersee

Zwei neue, interessante Blogeinträge zum Thema

Ich möchte allen Interessierten an der “Sizzla” Debatte den Blogeintrag auf http://www.stevenmilverton.com/2010/08/07/blockadepolitik-am-chiemsee/ empfehlen. Der Autor schreibt darin unter anderem:

Sizzlas Auftritt im Rahmen des Chiemsee Reggae Summer Ende August 2010 ist immer noch nicht abgesagt.

In ihren anfänglichen Stellungnahmen haben die Veranstalter, die Trostberger CRP Konzertagentur GmbH, mit Unterstützung des Brauerei Beck’s, die wiederum zu den Kooperationspartnern der Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST) gehört, Einwände gegen die Aufrufe zur Ermordung von schwulen Männer als verfassungswidrige Zensurbestrebungen abgetan und die Auffassung vertreten, die Kunst- und Meinungsfreiheit sei höher zu bewerten als das Lebensrecht schwuler Menschen. Nun erklären sie ergänzend ihre Kritiker für blöd.

Ein weiterer empfehlenswerter Artikel (http://medium.blogsport.de/2010/08/05/mono-nikitaman/) kritisiert die eingeladenen KünstlerInnen, die der Einladung “Sizzlas” auf das Festival zwar in der Theorie nicht kritiklos, in der Praxis aber inkonsequent agieren. Sehr schade, dass hier die Möglichkeiten des Protests und der Kritik nicht ausgeschöpft werden. Anbei ein Zitat von der Band “Mono & Nikitaman”, die auf den Blogeintrag geantwortet haben. Es bleibt offen, weshalb Musikgruppen, die gegen Homophobie sind, den Diskurs mit den Veranstaltern scheuen und ihr Booking aufrecht erhalten:

wir treten, wie schon viele jahre in folge, auf dem chiemsee reggae festival auf, auf dem dieses jahr auch sizzla spielt. schon letztes jahr haben wir während unserer show das thema homophobie angesprochen und uns klar dazu geäußert. das gleiche problem gibt es mit wiesen sunsplash, aber wie wir uns auf der bühne oder gegenüber dem veranstalter davon abgrenzen und dazu äußern laß bitte unsere sorge sein !

J-Flag gegen schwulenfeindliche Hassmusik

J-Flag ist eine 1998 gegründete Gruppe, die die Rechte und Ziele von Homosexuellen in Jamaika vertritt (aber wegen des bestehenden Verbots von Homosexualität nur verdeckt agieren kann). Die Gruppe dankt Partnern in Nordamerika und Europa für das Engagement für die Kampagne “Stop Murder Music”. Sie bittet darum, Auftritte von bestimmten Interpreten von Dancehall-Reggae, die in ihren Liedern zu Gewalt und zur Ermordung und von Homosexuellen aufrufen (z.B. Sizzla, Elephant Man oder Bounty Killer) zu verhindern. Es solle ihnen keine Plattform gegeben werden, diese Botschaften, die in Jamaika leider allzu oft in die Tat umgesetzt werden, weiter zu verbreiten und andere Länder und Kulturen zu beeinflussen.

“J-FLAG continues to take this position mindful of the fact that the threat as well as the reality of homophobic violence hangs over the gay, lesbian, bisexual and transgender (GLBT) community in Jamaica. Indeed, violence has claimed the lives of too many members of the Jamaican GLBT community. J-FLAG remains convinced that this situation is fuelled, among other things, by the anti-gay lyrics of performers within the dancehall genre. If steps are not taken to address the threat posed by such lyrics, many more members of the Jamaican GLBT community will suffer.”

siehe auch: http://www.queer.de/

Das aktuelle Schreiben von J-Flag vom 2. August könnt ihr euch hier herunter laden: Schreiben J-Flag august2010

Presseecho von der Veranstaltung am Mittwoch

Printmedien: Wir stehen im Traunsteiner Tagblatt, im Alt- Neuöttinger Anzeiger, in der Chiemgau Zeitung und im Freilassinger Anzeiger.

Online:

Wenn ihr Fragen zur Veranstaltung habt, könnt ihr euch gerne an mich wenden!

Aktuelle Presse und ein empfehlenswerter Artikel

Heute ist in den Chiemsee Nachrichten ein Bericht über unsere Veranstaltung kommende Woche erschienen. Mit Bedauern musste ich darin lesen, dass niemand von den Veranstaltern zu dieser öffentlichen Diskussionsrunde kommen möchte. Ihr Argument: „Wir wollten das Thema breit in der Öffentlichkeit diskutieren und nicht in einem Zirkel mit Parteifreunden” (Quelle: http://www.chiemsee-nachrichten.de). Unsere Veranstaltung am 4. August um 19:30 Uhr im Café Lenz ist aber selbstredend kein Parteizirkel, sondern die Gelegenheit für alle Interessierten, mit uns zu diskutieren und die eigene Meinung einzubringen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Veranstalter diese Diskussion im Pressebereich auf dem Festival selbst abhalten hätten wollen. Das würde dann natürlich zur Folge haben, Mehr »

Schwulenhass und Homophobie in der Musik

Diskussion zum Boykottaufruf des Chiemsee Reggae Festivals der Grünen

Als Referentin von unserer Seite ist die Grüne Münchner Stadträtin Lydia Dietrich eingeladen. Auch die Veranstalter wurden natürlich zu diesem Termin eingeladen, um ihre Position zu vertreten. Momentan warten wir noch auf deren Rückmeldung.
Inhaltlich wird es sicherlich vor allem um unseren Boykottaufruf und das Thema Homophobie, bzw. Schwulenhass in der Musik und im Alltag gehen.

Wir freuen uns über rege Beteiligung!

Wann? Mittwoch, 4. August, 19:30 Uhr

Wo? Café Lenz, Stadtplatz 21, 83278 Traunstein

4. Sitzung des Parteirats in Fürth


Am Vorabend des Zukunftskongresses zum Thema Wachstum in Fürth traf sich der bayerische Parteirat um sich mit allerlei Themen zu beschäftigen. Neben einem Rückblick auf den bayerischen Volksentscheid zum Nichtraucherschutz wurde auch über den Volksentscheid zum Thema Bildung in Hamburg diskutiert. Weitere Themen waren erneut geschlechtergerechte Sprache und die gemeinsame Arbeitsstruktur des Gremiums.

Die Volksentscheide wurden durchaus gegensätzlich diskutiert. Während der bayerische Entscheid zum Nichtraucherschutz ein voller Erfolg war, wurden die Aussichten in Hamburg wesentlich kritischer gesehen (wie das Ergebnis dann auch zeigte). Die Hamburger Reform wird aber auch ohne den Entscheid um die Primarschule als großer Erfolg gesehen, auch wenn ein negatives Ergebnis diesen Erfolg relativieren wird. Grundsätzlich gilt es auch in Bayern, weiter an unseren Bildungskonzepten, und vor allem deren Kommunikation, zu arbeiten.

Der Themenkomplex „Geschlechtergerechte Sprache“ wurde mit einem einstimmig beschlossenen Antrag für die kommende Landesversammlung vorerst abgeschlossen. Der Antrag will geschlechtergerechte Sprache als Grundsatz in das bayerische Frauenstatut aufnehmen.
Auch die Diskussion über die Arbeitsstruktur des Parteirats hat zu ersten Ergebnissen geführt. So wird es zwischen den zweimonatlichen Sitzungen eine zusätzliche Telefonkonferenz geben, um näher an aktuellen politischen Ereignissen zu sein. Um den Parteirat auch vor Ort besser zu vernetzen, wird es neben den Zuständigkeiten für Landesarbeitskreise in Zukunft regionale Zuständigkeiten geben. Wie diese im Detail aussehen, wird in der neuen Zusammensetzung im Herbst diskutiert.

Der nächste Parteirat findet noch vor dem Antragsschluss zur Landesversammlung statt und wird sich mit deren Antragslage beschäftigen.

http://www.gruene-bayern.de/start/aktuelles/news/article/4-sitzung-des-parteirats-in-fuerth/153.html

Grüne und “Chiemsee Reggae Summer” Veranstalter im Dialog

(Übersee / München, 21.06.2010) Das Gespräch zwischen dem Grünen Kreisverband Traunstein und den Veranstaltern des Chiemsee Reggae Summer bezüglich des Auftritts von “Sizzla” in Übersee änderte nichts an dem Boykottaufruf der Grünen. Aber es wurden einige Zugeständnisse von Seiten der Veranstalter verhandelt.
So wird auf dem CRS in diesem Jahr ein Amnesty International Stand von den Veranstaltern organisiert, auf dem über Homophobie und Hass auf Homosexuelle in Jamaika aufgeklärt werden wird. Außerdem wird der Grüne Kreisverband Traunstein im August einen Runden Tisch organisieren, bei dem die Argumente der Veranstalter mit denen der Kritiker noch einmal öffentlich ausgetauscht werden sollen. Damit soll ein offener Diskurs gewährleistet werden.
Dazu Sprecherin Sabine Ponath:

“Wir freuen uns natürlich über die Gesprächsbereitschaft des Festival Teams und über die Zugeständnisse. Im August werden wir daher gerne gemeinsam einen Runden Tisch organisieren. Dennoch bleibt unser Hauptkritikpunkt bestehen: Sizzla, ein bekennender Schwulenhasser, darf in Übersee auftreten. Wir bleiben daher bei unserem Boykottaufruf: Distanziert euch von Homophobie und Gewalt gegen Schwule, bleibt dieses Jahr daheim und schreibt den Veranstaltern eure Meinung!”

Kritik an Sizzla’ Aufritt in Übersee überzogen?

Der Artikel über Sizzla’s Aufrtitt am Chiemsee Reggae Summer im Wochenblatt (Chiemgau) stellt den Protest gegen den homophoben Musiker als “überzogen” dar. Ich finde: Es ist nicht überzogen, zu kritisieren, wenn jemand auftritt, der in mehreren Liedern dazu aufruft Homosexuelle zu töten - kultureller Hintergrund hin oder her. Ich versuche einen differenzierten Blick auf die Sache zu haben. Aufruf zur Tötung von Mitmenschen ist aber einfach unter der Gürtellinie - schlimm genug, dass man hier überhaupt erst anfangen muss zu diskutieren. Und auch mit “freier Meinungsäußerung” hat das nichts zu tun. Sie ist in den Rechtswissenschaften nur so lange okay, bis jemand beleidigt oder bedroht wird.

Zwar hat Sizzla einen Vertrag unterzeichnet, dies in Übersee zu unterlassen (schlimm genug, dass dies überhaupt nötig ist!) - aber dennoch wird Homophobie und Hass auf Homosexuelle so in die Breite gebracht und verharmlost, sei es beispielsweise nur, wenn sich jemand nach dem Konzert die CD’s des Musikers besorgt. Es geht hier gar nicht so sehr um Sizzla selbst. Es geht um eine bewusste Entscheidung der Veranstalter und um eine Verharmlosung von Gewaltandrohungen und Homophobie. Sizzla ist ein notorischer Hass-Sänger, der wiederholt zu Gewalt und Mord an Schwulen aufgerufen hat - das ist den Veranstaltern bekannt.

Wir bleiben dabei: Boykottiert die Veranstaltung!